Frankfurt Magzin

Ausgerechnet Android: Wie Apple-Mitarbeiter gegen vermeintliche Überwachung kämpfen

Sie verpacken und verkaufen Ware, sprechen mit Kunden, reparieren defekte Geräte und sind das Aushängeschild der Apple Stores: Die Mitarbeitenden in ihren blauen T-Shirts kämpfen an vorderster Front um den Ruf und den Erfolg des Weltkonzerns. Und doch bleibt nach ihrer Meinung zu wenig von den Rekordsummen hängen, die CEO Tim Cook zu Ende vieler Quartale stolz verkündet. Davon haben erste Teams amerikanischer Apple-Stores jetzt offenbar genug und organisieren sich. Aber nicht via iMessage.

Einem Bericht der Washington Post zufolge planen Mitarbeitende von mindestens zwei Apple Stores bereits konkret eine gewerkschaftliche Vertretung, weitere sechs Standorte befinden sich auf dem Weg dorthin.

Dabei fürchten die Organisatoren aber offenbar Repressalien, sollte Apple herausfinden, wer die Teams zusammentrommelt und mit den Gewerkschaften spricht. Gegenüber der Post erklärten sie, dass es daher geheime Meetings gebe und die Kommunikation über verschlüsselte Messenger und Android-Smartphones laufe.

iCloud-Backups als Schwachstelle

Die Angst vor neugierigen Blicken des Konzerns kommt nicht von ungefähr. Das hat zwei Gründe: Nachrichten über iMessage sind nach Angaben des Unternehmens Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Aber: iMessage ist nicht quelloffen, daher kann die Sicherheit nicht unabhängig bestätigt werden und man muss Apple glauben, dass die Angaben zur Verschlüsselung zutreffen. Und: Durch das iCloud-Backup wird die Verschlüsselung ausgehebelt. Denn iCloud-Backups sind zwar grundsätzlich durchaus gesichert, könnten aber von Apple bei Bedarf entschlüsselt und somit gelesen werden.

In diesen Backups landen natürlich auch Gruppenchats. Heißt: Wenn nur eine Person einer eigentlich geheimen Unterhaltung eine Sicherung der Chat-Protokolle in der iCloud anlegt, hätte Apple theoretisch Zugriff. Und daraus macht der Konzern keinen Hehl – im Gegenteil. Es ist bekannt, dass sich Apple bei Geräten der Mitarbeiter:innen das Recht einräumt, iCloud-Zugänge auch nach deren Kündigung einzubehalten und Geräte, die für die Arbeit genutzt werden, zu durchsuchen. Das dient natürlich in erster Linie der Geheimhaltung neuer Produkte, fand allerdings in den vergangenen Jahren schon anderweitig Verwendung, etwa bei gerichtlichen Auseinandersetzungen.

Die Sorge, dass Unterhaltungen über schlechte Arbeitsbedingungen oder die Zusammenarbeit mit Gewerkschaften zu spürbaren Nachteilen am Arbeitsplatz führen könnten, ist also nicht aus der Luft gegriffen, sondern durchaus begründet. 

Nur Krümel vom Kuchen

Arbeitgeber in den USA gelten als gewerkschaftsfeindlich, in vielen Unternehmen, auch bei Apple, gibt es Berichte, dass Vorgesetzte aktiv gegen jeden Versuch vorgehen, Informationen über Gewerkschaften und deren Vorteile zu verbreiten. Im Gegenzug verbreiten Unternehmen Geschichten über teure Gebühren, ausbleibende Karrierechancen und schlechtere Arbeitsbedingungen, die durch die Mitwirkung einer Gewerkschaft Einzug halten würden.

Das Ziel der Bemühungen ist, wie so oft, mehr Gehalt. Nach Ansicht der Angestellten komme bei der Basis in den Apple Stores zu wenig von dem an, was Apple mit ihrer Hilfe Jahr für Jahr umsetzt. Tatsächlich geht es dem Konzern blendend: Im vergangenen Quartal setzte das Unternehmen 123,9 Milliarden Dollar um, 34,6 Milliarden Dollar blieben als Gewinn hängen. Im Fiskaljahr 2021 betrug der Umsatz 366 Milliarden Dollar. 36 Prozent der Gesamtsumme stammen dabei von Verkäufen über die Apple-Webseite und -Stores.

Doch auch wenn die Gehälter mit 17 bis über 30 US-Dollar und Aktienboni durchaus konkurrenzfähig sind, sollte sich Apple nach Ansicht der Mitarbeitenden nicht nach marktüblichen Löhnen richten, sondern sie mit Blick auf den großen Erfolg des Unternehmens fair daran beteiligen. Die Hoffnung, dass das ohne Einwirkung einer Gewerkschaft passiert, ist offenbar klein. Einen Appell an Aktionäre, die im Sinne der Mitarbeitenden auf das Apple-Management einreden sollen, richtet man in Form einer Webseite mit Informationen zur Situation trotzdem.

quelle

FrankfurtMagzin

Read Previous

Beats Fit Pro im Test: Die besseren Airpods Pro – aber nicht für jeden

Read Next

Besetzte Gebiete und Truppen-Verteilung in Europa – eine Übersicht

Leave a Reply

Your email address will not be published.